Der Diskussion im anderen Beitrag folgend achtete ich heute mal auf diverse Straßenverkehrseinrichtungen in der Stadt als ich in Richtung Zerf die Stadt verließ:
Es ist schon seltsam, wie sehr sowohl Fußgänger und Autofahrer bevormundet werden (letztere noch sehr viel mehr). Da gibt es zunächst an jeder Kreuzung Ampeln, die einem sturen Takt folgen und weiter immer wieder mehrere Spuren, die alle in eine eigene Richtung weisen. Beide Einrichtungen sind zwar zunächst der Sicherheit dienlich, andererseits führen sie aber auch schon dazu, dass man sich als Autofahrer blind darauf verlässt und nicht mehr auf andere Gefahren achtet (plötzliche Fußgänger zum Beispiel).
Da dies aber noch nicht schlimm genug ist, empfand man in den zuständigen Stellen wohl kein Bedürfnis nach einer Anpassung der starren Regeln. So ist zum Beispiel die Ampel an der Kreuzung Ostalle/Th.-Heuss-Allee/Bismarckstraße/Bahnhofstraße so stur geschaltet wie es nur irgend geht. Sogar nachts um 3 Uhr wird man dort von einer roten Beleuchtung gemahnt, nur nicht weiterzufahren, es könnte ja doch der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass jemand ebenfalls die Kreuzung befahren will.
Ein anderes Beispiel kann man an der Ecke Christoph-/Kochstraße täglich erleben. Die Fußgängerampel führt zu extremem Gerase der Autos, denn es könnte ja noch rot geben. Der eingefleischte Trierer weiß wohl, dass diese Ampel immer erst rot zeigt, wenn der Porta-Nigra-Platz zeitweise keinen weiteren Verkehr mehr zu dieser Straße erlaubt – aber trotzdem, die Ampel könnte ja doch mal anders ticken. Der gemeine Fußgänger weiß das natürlich und ignoriert die Ampel daher so gut er kann – schließlich wurde er ja schon beim Überqueren der Th.-Heuss-Allee (aus dem Steingröver Weg zum Beispiel) dazu genötigt, sich ungeschützt durch den Verkehr zu boxen.
Warum man hier nicht wie an anderen Stellen in der Stadt vor 40 Jahren eine Unterführung gebaut hat? Ich weiß es nicht.
Und dann gibt es ja noch das Moselufer (ich erspare mir, hier alle Straßennamen aufzuzählen) mit der schönen vierspurigen Straße und den vielen Ampeln. Auch diese sind weitestgehend stur geschaltet – und für Fußgänger unbrauchbar. So passiert denn tagtäglich das, was immer passieren muss: An der Kreuzung zum Irminenfreihof hat man als Fußgänger die Möglichkeit bis zur Mittelinsel (wenn man zur Mosel will) zu kommen und dann im vorbeidonnernden Verkehr (LKW und PKW mit teilweise weit über 70km/h) erst mal auszuharren – denn die Fußgängerampel zeigt rot – und muss ja erst mal druch Anfordern dazu überredet werden irgendwann auf grün zu springen.
Der Autofahrer indes hat es auch nicht leicht. Fährt er weniger als 80km/h droht ihm Ungemach von allen Seiten – ist doch dann die nächste Ampel rot – Grüne Welle einmal anders. Das Spielchen für ihn wiederholt sich allerdings dann noch bis zum Abzweig der B268. Aber dafür ist die Straße ja auch ausgelegt. Breite Spuren mit möglichst viel Ausgleichflächen für Linksabbieger (außer an der B268 Richtung Zerf) laden ja geradezu ein. Ähnliches gilt übrigens auch für die Kohlenstraße entlang des Uni-Geländes (da wo die im anderen Beitrag besprochene Fußgängerbrücke steht).
Alles in allem zeigt sich hier, was in anderen Städten längst behoben wurde: Der Verkehr wird bevormundet, man traut dem Fahrer nichts mehr zu, also kann er ruhig fahren wie er will (denkt er sich), solange die Ampel grün zeigt. Der Fußgänger indes ignoriert alles was er findet, wird er doch ebenso von der Ampel ignoriert. T.V. Kaiser würde sagen: “Ein Teufelskreis”.
Seltsamerweise hat man aber auch schon im Rathaus gemerkt, dass es offenbar anders geht. Im Zuge der Baustelle auf der B268 wurde die Ampel aus Richtung Zerf in die Innenstadt abgeschaltet und durch ein Blinklicht ersetzt. Interessanterweise wurde das Blinklicht nun beibehalten, weil es offenbar zu mehr Verkehrsfluß beim höchstens gleichbleibendem Gefährdungspotenzial kam. Dass Rechtsabbieger bei freier Sicht über eine Einfahrt dazu neigen, auch selbstständig anzuhalten, schien wohl vorher niemand zu ahnen.
Ach und die angesprochenen Spuren von eben? Nun, das Problem kennt jeder, der die Th.-Heuss-Allee aus Richtung Bahnhof in Richtung Mosel fährt: Vor dem Porta-Nigra-Platz staut es sich auf der rechten Seite bis zur Sparkasse, während die linke Spur gänzlich leer ist (selbiges gilt übrigens auch in der Roonstraße und an ein paar anderen Stellen). Man will die Spur nach der Ampel wohl nicht wechseln. Wie sonst erklärt es sich, dass einige Lenker ihr Fahrzeug nach drei Rotphasen erst über die Kreuzung bringen, während es die “Linksfahrer” schon nach der ersten schaffen? Vielleicht sind das aber auch die rücksichtsvollen Autofahrer, die den Pulk an Fußgängern, die auf der mittleren Insel mal wieder länger auf Grün in Richtung Fußgängerzone warten, die Gelegenheit geben wollen, auf der Straße zu warten. Sonst haben sie nämlich nur wenig Platz. Und wer jetzt einwendet, dass man doch auf dem Grünstreifen stehen könnte, dem sei gesagt: Die Distanz ist dann schon zu weit um innerhalb einer grünen Anzeige überbrückt zu werden. Personen über 40 sollten diesen Fußgängerüberweg ob ihrer verminderten Sprintqualitäten ohnehin irgendwie vermeiden!
Aber die Hauptsache: Es gibt genug Straßen in Trier. Denn schließlich sind die Busse ja so teuer, dass man mit dem Auto in die Stadt muss. Dass man im Bus gelegentlich durch scharfe Brems- und Beschleunigungsmanöver hin- und hergeschleudert wird, fällt da gar nicht mehr ins Gewicht. Und wieder: “Ein Teufelskreis”.
Übrigens: Eine Fahrt von der Stadt zur Uni kostet 2,10€. Nur ein Student, für den dies nicht gilt, fährt noch gerne mit dem Bus! Und ich denke gerade daran, was wohl wäre, wenn die Roonstraße irgendwann mal gesperrt würde, weil sie nur noch für 2,8t zugelassen ist. Würde dann der ganze Verkehr einschließlich Bus und LKW durch das Paulinviertel fahren? Ich hoffe so etwas muss ich nicht erleben. Pech für diejenigen, deren ÖPNV nicht mehr über die Aulbrücke führen kann – sie werden es noch lange erleben.
Alles in allem ist Trier ein Hort einer lange Zeit verfehlten Verkehrspolitik. Umdenken? Wahrscheinlich nicht. Von der Ausnahme an der B268 mal abgesehen, werden weiter zweispurige Straßen gebaut, Ampeln mit starrer Schaltung und mit längeren Wartezeiten für Fußgänger auf dem Mittelstreifen aufgebaut und dafür an anderen Stellen ganz auf eine Überquerungshilfe verzichtet. Soll doch der Autofahrer ja nicht selbst überlegen müssen, ob und wie er angemessen reagieren könnte.